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Geschichte des Kontinentalverbandes

Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hat sich eine rasche internationale Ausbreitung des Kolpingwerkes vollzogen. In diesem Prozess kam es nahe liegend schon frühzeitig zu Überlegungen auf eine engere Kooperation der Nationalverbände auf kontinentaler Ebene. Das lateinamerikanische Kolpingwerk machte hier den Anfang mit einem ersten kontinentalen Treffen im Jahre 1984. Die europäischen Nationalverbände folgten diesem Beispiel und gründeten im November 1985 in Zürich eine locker formierte kontinentale Arbeitsgemeinschaft, die sich 1988 eine erste Satzung gab. Beteiligt waren bei diesen ersten Schritten die traditionsreichen Nationalverbände Österreich, Deutschland, Schweiz und Italien (Südtirol), der nach dem zweiten Weltkrieg neu entstandene Nationalverband der Niederlande sowie der noch junge portugiesische Verband.

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 setzte der rasche Wieder- bzw. Neubeginn der Kolping-Arbeit in zahlreichen Ländern Mittel- und Osteuropas ein. Diese Entwicklungen, gepaart mit den bisherigen Erfahrungen der europäischen Arbeit und Zusammenarbeit im Internationalen Kolpingwerk, führten zu einer satzungs- und organisationsmäßigen Neukonstituierung des Kolpingwerkes Europa im November 1995 in Teisendorf. Neben den bisherigen Mitgliedern waren bei dieser Neugründung schon die jungen Nationalverbände aus Ungarn, Tschechien, Litauen und Rumänien dabei. Seither sind im Bereich des europäischen Kolpingwerkes 6 weitere Nationalverbände gegründet worden, nämlich in Polen, in der Slowakei, in der Ukraine, in Albanien, in Jugoslawien und in Slowenien. Einzelne Kolpingsfamilien gibt es darüber hinaus neu in Moldawien und in Kroatien sowie schon seit langer Zeit in Luxemburg und Belgien.

In den vergangenen Jahren hat sich das europäische Kolpingwerk bemüht, seine koordinierende, aber auch Impuls gebende Rolle für die Arbeit der Nationalverbände auszufüllen. Neben guten Erfolgen - etwa im Bereich der politischen Interessenvertretung gegenüber dem Europarat und der Europäischen Union oder der Schulungsmaßnahmen - waren und sind aber auch weiterhin Grenzen gesetzt, begründet vor allem in der engen materiellen Ausstattung des Kontinentalverbandes zum einen und in der europäischen Sprachenvielfalt zum anderen.

Zweifelloser Höhepunkt in der bisherigen Geschichte des Kolpingwerkes Europa war der europäische Kolpingtag in Salzburg im Jahre 1996. Das Motto "Europa - Kolping baut mit" führte mehr als 2000 Kolping-Mitglieder aus über zwanzig europäischen Ländern zusammen. So unterschiedlich die Eindrücke und Erfahrungen für den einzelnen auch waren - ein großartiges Erlebnis waren diese Tage für jeden, ganz gleich, woher und mit welchen Erwartungen er gekommen war.

Im Salzburger Manifest ist seinerzeit als Weg weisende Botschaft festgehalten worden:
"Das Kolpingwerk Europa ist gewillt,

  • an einem Europa mitzubauen, in dem die Menschenwürde gesichert ist und die Menschenrechte beachtet werden,
  • ein Europa zu unterstützen, in dem die Familie als Grundzelle der Gesellschaft gefördert und Solidarität praktiziert wird,
  • in einem Europa zu wirken, in dem Demokratie gelebt, Gerechtigkeit verwirklicht und Friede gestiftet und gesichert werden."


Die noch junge Geschichte des (verfassten) europäischen Kolpingwerkes bedarf natürlich der Ergänzung in die Vergangenheit hinein:
Traditionell war das Kolpingwerk - von wenigen Ausnahmen abgesehen - in Europa verwurzelt und waren die ersten Internationalen Gesellentage 1922 und 1927 eigentlich europäische Veranstaltungen. Der Dritte Internationaler Kolpingtag in Köln 1965 beinhaltete den ausdrücklichen Aufruf, den Gedanken der Vereinigung Europas weiterzutragen.

Die XXIII. Generalversammlung des Internationalen Kolpingwerkes in Salzburg im Jahre 1968 gab nicht nur den Startschuss für die ‚Aktion Brasilien', sondern verabschiedete auch eine Proklamation unter dem Titel "Es werde Europa", und in den folgenden Jahren wurden große Europatage in vielen Nationalverbänden und regionalen Gliederungen des Kolpingwerkes durchgeführt.

Bereits 1974 erhielt das Internationale Kolpingwerk den Konsultativstatus beim Europarat, und das Jahr 1979 sah den Beginn der - seither kontinuierlich durchgeführten - Europa-Seminare des Kolpingwerkes in Straßburg. Nicht zu vergessen ist schließlich das Europäische Friedenstreffen der Kolpingjugend in Bozen im Jahre 1985 unter dem Motto "Zum Frieden unterwegs".

Europatage des Kolpingwerkes

27. bis 29. Juni 1969, Castrop Rauxel: „Es werde Europa“
25. bis 28. Juni 1970, Regensburg: „Schafft Europa“
19. und 20. Sept. 1970, Stuttgart: „Vorwärts mit Europa“
14. und 15. Juni 1975, Aachen
16. bis 19. Juni 1977, Münster: „Europa in Freiheit – Wir bauen mit“
16. bis 19. Mai 1996, Salzburg: „Europa – Kolping baut mit“
17. Juni 2006 , Köln: Schiffswallfahrt

Großveranstaltung der Kolpingjugend

13. bis 16. Juni 1985; Bozen: „Europäisches Friedenstreffen der Kolpingjugend“